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Rehearsing Andersen

Posted in scoop news by Olaf Bargheer on März 5, 2010

DARE Magazin / Thalia Theater „Andersen. Trip zwischen Welten“ ist der Name des aktuell von Regisseur Stefan Pucher am Hamburger Thalia Theater inszenierten Stückes. Die Annäherung an den mit Fug und Recht als verschroben zu nennenden dänischen Märchenautor erfolgt über ein sechsköpfiges Schauspielerensemble, zwei Live-Musiker (Tex und Erobique) und ein überaus starkes Bühnenbild, das konsequent auf den Einsatz von Video- projektionen setzt. Regisseur und Ausstatter spielen in der obersten Liga der deutschsprachigen Theaterlandschaft und setzen ihre dramaturgischen und visuellen Mittel mit großer Sicherheit und Überzeugungskraft ein. Für das am 17.04.2010 erscheinende DARE Magazin „surfaces“ die passenden Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Bühnengestaltung geht. Im Anschluss an die erste „Andersen“ Durchlaufprobe am Mittwoch 03.03.2010 setzten sich Marysol del Castillo (Kostüm), Barbara Ehnes (Bühne), Meika Dresenkamp (Video) und Olaf Bargheer (DARE Magazin) in der Kantine des Thalia Theaters zusammen um über die Gestaltung des Stückes zu sprechen – Ein Gespräch über Video als bewegte Wandtapete, über die klaustrophobische Wirkung von wattierten Wandflächen und die sinnliche Erfahrung von Halbschattenfarben. Uraufführung des Stückes am Samstag 06.03.2010 am Thalia Theater. Release des DARE Magazins „surfaces“ am 17.04.2010 in der Hamburger Botschaft.

Andersen – Trip zwischen Welten

Uraufführung am 06.03.2010 um 20 Uhr
Weitere Aufführungen am 07.03. / 10.03. / 14.03. / 06.04.2010

Ein Realitätstransformator auf Dauerstrom. Hans Christian Andersen war ein Phantast. In seinen Werken, seinen Märchen zumal, wie im Leben. Ein Traumtänzer, der die Welt nicht hinnimmt, wie sie ist. Und das nicht erst mit 14 Jahren, als er seinem Heimatort Odense den Rücken kehrt und allein nach Kopen hagen zieht, um: berühmt zu werden.

Leben und Kunst, das ist bei Andersen nicht zu trennen. Er schuf sich seine eigene Wirklichkeit. Nicht gleich lässt sie sich nach Belieben modellieren, sie stößt ihn ab, als er versucht, ans Theater zu kommen, als er vor singt, vor spielt, vortanzt, auch erste Stücke schreibt. Was ihn zu Tränen rührt, wenn er es vorträgt, er scheint der Welt grotesk. Später aber, als ihn Könige empfangen, wird ein Star zu sein zur selbstverständlichen Attitüde seines Lebens. Sein Selbstbewusstsein ist demonstrativ, seine Extravaganz pathetisch. Und eben deretwegen wird ihm die Welt nie wirklich nahe kommen können. Sein Raum in ihr ist begrenzt, das Geltungsbedürfnis seines Egos dagegen grenzenlos. Deshalb braucht er die Literatur. Eine Gemeinschaft der Exzentriker, eine Warholsche Factory vielleicht, ist zu der Zeit noch nicht in Sicht. In Beziehung zu den Menschen tritt er, wenn er ihnen vorliest. Das Mitgefühl derer, die verzaubert zuhörten, ihre Anerkennung, galt dann ihm – er war nicht allein. Denn das war er tatsächlich, einsam. Während die anderen lebten, schuf er. Er wiederum lebte, wenn er schuf, auch sich erschuf. Stefan Pucher und sein Musiker Carsten „Erobique“ Meyer stellen sich Andersen im Michael-Jackson-haften Neverland seiner Phantasie vor; ein Künstler zwischen den Welten. Was ergeschaffen hat, umgibt ihn, seine Märchenfiguren, sein Schatten, der lebt, was er nicht lebt, liebt, wonach er sich sehnt. Stets kehrt er zu ihm zu rück, es ist ja der eigene. Was aber, wenn er es, wie in seinem Märchen „Der Schatten“, einmal nicht täte? Was wenn seine Kunst ihn nicht befreit, sondern ihn ums Leben bringt? Oder muss es nicht so sein: dass der Künstler stirbt, sein Schatten aber lebt? Und – wer war noch mal wer?

Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Tex & Erobique
Video: Meika Dresenkamp
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Darsteller: Bruno Cathomas, Mirco Kreibich, Daniel Lommatzsch, Karin Neuhäuser, Catherine Seifert, Birte Schnöink

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